Feeds:
Beiträge
Kommentare

Tetanus (Wundstarrkrampf): wird heute am besten in Kombination geimpft mit Diphtherie sowie Pertussis (Keuchhusten), evtl. auch mit Polio. Eine Grundimmunisierung wird meistens in der Kindheit durchgeführt. Dann mit 9-17 Jahren wieder, dann alle 10 Jahre eine Auffrischimpfung mit Kombi-Impfstoff.

Kinderlähmung (Polio): Auffrischung wird heute nicht mehr generell empfohlen. Die Impfung ist für Reisen in der Regel keine Kassenleistung und muss daher selbst bezahlt werden als separate Impfung. Daher empfiehlt sich bei Reisenden, die Impfung mit einem Tetanus-Kombiimpfstoff gemeinsam aufzufrischen.

Gelbsucht (Hepatitis): Am besten mit drei Kombi-Impfungen als Grundimmunisierung (Tag 0,1-3 Monate, 6-12 Monate). Danach ist vermutlich lebenslang keine Auffrischung mehr erforderlich.
Hepatitis A kann separat als Reiseimpfung gemacht werden (Tag 0, 6-12 Monate), ist dann allerdings keine Kassenleistung.

Zeckenimpfung: eine Grundimmunisierung mit drei Impfungen (Tag 0,1-3 Monate, 9-13 Monate), dann nach 3 Jahren, dann alle 5-10 Jahre

Meningitis: Ist für Jugendliche unter 18 Kassenleistung. Es gibt einen einfachen Impfstoff, der von der Kasse übernommen wird, sowie einen Vierfachimpfstoff (Menveo). Die Kassen zahlen diesen in der Regel nicht.
Als Reiseimpfung ist die Meningitisimpfung keine Kassenleistung.

Tollwutimpfung: Wichtig für alle Reisen in Gebiete mit streunenden Hunden, Affen oder Fledermäusen. Die Tollwutimpfung sollte nach einer Grundimmunisierung (mindestens Tag 0,3,7 oder Tag 0,7,21-28) nach einem Jahr wieder aufgefrischt werden. Danach hält die Wirkung vermutlich 10 Jahre an.

Pneumokokken (Lungenentzündung): für ältere und abwehrgeschwächte Patienten sowie chronisch Kranke wichtig (Kassenleistung). Für Kreuzfahrten sehr empfehlenswert (da allerdings keine Kassenleistung).

Japanische Enzephalitis: Wird u.a. für häufige Reisen nach Südostasien empfohlen. Zwei Impfungen im Abstand von 28 Tagen, dann eine Auffrischimpfung nach einem Jahr. Danach hält die Wirkung vermutlich 10 Jahre an.

Grippeimpfung: wie bei Pneumokokken. Wichtige Kreuzfahrtenimpfung!

Zecken

Wie kann ich mich gegen Zeckeninfektionen schützen?
Eine passive Impfung nach einem Zeckenbiss wird heutzutage aufgrund der Nebenwirkungen nicht mehr durchgeführt.
Eine Impfung gegen Zecken können Sie bei Ihrem Arzt jederzeit und das ganze Jahr über durchführen lassen. Bei der Grundimmunisierung werden Sie dreimal geimpft: Tag 0, nach 1 Monat und nach 9-12 Monaten. Nach drei Jahren wird die erste Auffrischimpfung gemacht, danach hält der Impfschutz ver-mutlich länger als 5-eher 10 Jahre an!


Wichtig: Erst nach der dritten Impfung haben Sie einen kompletten Impfschutz. Fangen Sie also rechtzeitig damit an!

Die Kosten für die Impfung wird – in Baden-Württemberg – von allen Kassen übernommen, da die Infektionsgefahr vom Landesgesundheitsamt als relativ hoch erachtet wird.

Keuchhusten

Keuchhustenfälle gibt es immer wieder, auch beim Erwachsenen.Die Immunität nach Erkrankung hält ungefähr zehn Jahre an, länger nicht. D.h.  auch wenn man als Kind Keuchhusten gehabt hat, kann man es als Erwachsener wieder bekommen.

Wie beginnt der Keuchhusten?
Zunächst beginnt er wie eine normale Erkältung, und zwar im wesentlichen mit Husten.
Im Unterschied zu einer normalen Erkältung wird der Husten im Laufe der Tage aber nicht besser, sondern nimmt an Intensität zu. Vor allem nachts im Liegen treten heftige Hustenanfälle, teilweise bis zum Erbrechen auf. Fieber muss nicht unbedingt dabei sein.
Dieser Zustand kann bis zu Lungenentzündungen und vorübergehendem Zusammenfallen von Teilen der Lunge (Atelektasen)  führen. Leider können diese Symptome über Wochen bis Monate anhalten. Vor allem bei Allergikern und Menschen mit Abwehrschwäche (chronische Grunderkrankungen wie Diabetes, Asthma)  ist das Krankheitsbild oft recht ausgeprägt und langwierig.


Wie kann der Keuchhusten behandelt werden?
Wenn das Krankheitsbild bereits in den ersten 14 Tagen entdeckt wird, lohnt sich ein Versuch mit einer bestimmten Sorte Antibiotika (Makrolide). Ansonsten kann man versuchen, die Hustenanfälle mit Hustenblockern oder homöopathischen Mitteln zu lindern.

Vorbeugung: Wer selbst einmal einen Keuchhusten mitgemacht hat, der lässt sich gern freiwillig dagegen impfen. Die nächtlichen Hustenanfälle können zu schlimmem Muskelkater der Bauchdecken führen!  Leider kann die Impfung aber derzeit in Deutschland nur als Kombi-Impfung durchgeführt werden mit Tetanus und Diphtherie gemeinsam, da die Impfstoff-Firmen den Einzelimpfstoff nicht mehr produzieren.

Aufgrund dessen, dass doch immer Erwachsene an Keuchhusten erkranken, und diese Zahl in Deutschland im Ansteigen ist, wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) derzeit die Keuchhustenimpfung wieder empfohlen, zuächst als einmalige Auffrischung im Erwachsenenalter.

Meines Erachtens ist es aber sinnvoll, die Keuchhustenimpfung alle 10 Jahre zu wiederholen, da die Immunität nach dieser Zeit deutlich niedriger ist. Leider taugen die bisherigen Kombi-Impfstoffe aber nicht allzuviel. Trotz der Kombi-Impfstoffe kann eine Erkrankung auftreten, und zwar teilweise bereits 2 Jahre nach der Impfung! Sie bietet also nur einen Teilschutz.
Keuchhusten ist am ansteckendsten in der sogenannten Inkubationsphase, d.h., das sind die ersten 10-14 Tage, in denen sich die Erkankung anbahnt, aber derjenige noch nicht so viel davon merkt. Zwei bis drei Tage nach Anbehandlung mit Makroliden(Antibiotika) sinkt vermutlich die Ansteckungsgefahr. Darüber gibt es noch wenige Daten.

Unter Fibromyalgie – dem sogenannten „Weichteil-Rheuma“ – leiden immer mehr Menschen. Oft ist es allerdings schwierig, herauszufinden, welche Menschen tatsächlich betroffen sind.

Seit 2010 sind daher neue Kriterien für die Diagnose einer Fibromyalgie festgelegt worden von der sogenannten ACR (amerikanische Gesellschaft für Rheumatologie). Diese wurden von Prof. Bernhard Hellmich, Chefarzt der Rheumatologie im Krankenhaus Plochingen, auf der “Medizin aktuell” in Esslingen im Januar 2012 vorgestellt.


Es handelt sich um


1. ausgebreitete Schmerzen mit einem Schmerzindex von 7 (von 10) oder höher, wobei gleichzeitig die Symptomstärke mindestens 5 beträgt. Es wird bei der Schmerzstärke die sogenannte visuelle Analogskala benutzt. Dabei geht die Schmerzbreite von 0 (keine Schmerzen) bis 10 (stärkste Schmerzen).
Alternativ können die Schmerzen auch weniger ausgebreitet sein (Indexwert mindestens 5), dafür können jedoch heftigere Symptome vorliegen (Symptomstärke mindestens 9) .

2. Es kommt dabei zu vegetativen Begleitstörungen.
Typische Beschwerden sind zum Beispiel Steifigkeits- und Schwellungsgefühl von Händen, Füßen und Gesicht, Müdigkeit, Schlafstörungen, vermehrte Schweißbildung und andere vegetative und psychische Symptome.

3. Die Beschwerden werden nicht durch eine andere Erkrankung hervorgerufen.
Die Ursache ist weiterhin unklar. Es liegt wohl eine zentrale Schmerzverarbeitungsstörung vor. Zusammenhänge mit einer Schilddrüsenfehlfunktion (z.B. Hashimoto-Entzündung/Unterfunktion der Schilddrüse) und einer nicht zureichenden Funktion der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) werden diskutiert.

Wie erfolgt die Behandlung der Fibromyalgie?

  • Die Betroffenen sollten ein Patientenschulungsprogramm erhalten.
  • Es sollte eine Schmerztherapie durchgeführt werden.
  • Ein regelmäßiges Ausdauertraining ist von großer Hilfe für die Betroffenen und lindert die Schmerzen. Diese Wirksamkeit ist nicht belegt für dauerhafte Massageanwendungen!
  • Das Antidepressivum Amitryptilin 25-50 mg, häufig beginnend mit einer Dosierung von 10 mg pro Abend, hilft gegen die Schlafstörungen bei der Fibromyalgie und bessert auch die Schmerzen tagsüber. Auch andere Medikamente können hilfreich sein. Welche, das besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt.
  • Begleiterkrankungen (z.B. Schilddrüsenerkrankungen) sollten behandelt werden.
  • Als Fibromyalgie-Patient sollten Sie auf jeden Fall aktives Ausdauertraining (Schwimmen, Gymnastik, Joggen, Walken, Tanzen, Fahrradfahren etc.) betreiben – das wirkt!

Wer eine Erkältung hat, greift gern zu Erkältungsmitteln, die Vitamin C enthalten. Dabei ist dessen Wirkung bei einer akuten Erkältung gar nicht so sicher. Eine regelmäßige Einnahme von Vitamin C über das Jahr, vor allem durch natürlich wachsende Lebensmittel wie Gemüse und Obst, ist allerdings von Vorteil für die Abwehrkräfte im Winter.

Wer denkt allerdings bei einer Abwehrschwäche schon an einen Vitamin-D-Mangel?

Inzwischen wurde jedoch durch wissenschaftliche Untersuchungen festgestellt, dass Vitamin D wichtig ist für die Wirkung der T-Lymphozyten, der sogenannten Abwehr- und Helferzellen im Körper. Ohne Vitamin D können diese nicht ausreichend wirken. Ein guter Vitamin-D-Spiegel ist daher auch wichtig im Winter zur Abwehr von Erkältungen, sowie zur Abwehr von Autoimmunkrankheiten und wohl sogar von Krebserkrankungen. Auch zur Abwehr einer richtigen Grippe (Influenza) ist ein Vitamin-D-Spiegel im Normalbereich wichtig. Ein zufriedenstellender 25 (OH) Vitamin D3 -Spiegel liegt auf jeden Fall über 20 ng/ml.

Werte unter 20 ng/ml bedeuten einen langfristig relevanten Vitamin-D-Mangel mit negativen Folgen für die Abwehr des Organismus. Da viele Menschen heute im Sommer Sonnencreme, auch mit hohen Faktoren, benutzen, kann keine ausreichende Vitamin-D-Reserve im Körper für das Winterhalbjahr gebildet werden.

Vitamin-D-25 (OH)-Werte zwischen 30 und 60 ng/ml bedeuten eine physiologisch sicher ausreichende Versorgung.

Im Winter wird bei eher wenig Aufenthalten im Freien ein Ersatz von 500-1000 IE Vitamin D pro Tag zur Stärkung der Abwehrkräfte empfohlen. Wer seinen Vitamin D-Spiegel genau wissen möchte, z.B. weil er in letzter Zeit vermehrt infektanfällig ist, kann diesen als IGeL-Leistung bei seinem Hausarzt bestimmen lassen.

Ein guter Vitamin-D-Spiegel wirkt sich unter anderem auch positiv auf das Haare- und Nägelwachstum aus. Die Nägel brechen im Winterhalbjahr leichter ab als im Sommer. Das kann sich durch eine regelmäßige Einnahme von Vitamin D im Winterhalbjahr bessern.

Empfehlenswert ist aus meiner Sicht die tägliche Einnahme von 500 mg Calcium und 1000 IE Vitamin D im Winterhalbjahr.

Vitamin D

Bei ungefähr der Hälfte der Weltbevölkerung findet sich ein Vitamin-D-Mangel. Dies ist hauptsächlich auf eine verminderte Sonneneinwirkung der Haut zurückzuführen. Die Aufnahme per Nahrung von Vitamin D ist generell zu gering, um einen ausreichenden Vitamin-D-Status aufrechtzuerhalten. In den letzten Jahren wurde gezeigt, dass die meisten Zellen und Gewebe des Körpers Vitamin D-Rezeptoren besitzen, was darauf hinweist, dass sie auch Vitamin D benötigen zu ihrer Funktionstätigkeit. Vitamin D hat ein breites Wirkungsspektrum. Niedrige Vitamin D-Spiegel werden in Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, malignen oder autoimmunen Erkrankungen gefunden, wobei noch bewiesen werden muss, inwieweit diese Zusammenhänge ursächlich bestehen. Dem Vitamin D wird eine entscheidende Rolle bei der Skelettentwicklung zugeschrieben und daher Säuglingen und Kleinkindern zur Verhinderung der Rachitis gegeben.
Ein Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Diabetes mellitus und Bluthochdruck wurde nachgewiesen. Vitamin-D-Mangel zeigt ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle an.
Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel geht mit einem erhöhten Risiko für Darmkrebs einher.


Wo wird Vitamin D gebildet?
Vitamin D wird großteils durch die Einwirkung von UV-B-Strahlung in der Haut gebildet. Die Aufnahme von Vitamin D mit der Nahrung spielt eine untergeordnete Rolle. In der Haut entsteht durch UV-Strahlung das Provitamin D, welches in Vitamin D3 umgewandelt wird. Die weitere Umwandlung in 25-Hydroxyvitamin D wird durch ein Enzym der Leber katalysiert (beschleunigt). Dann entsteht durch einen Enzymprozess in der Niere die wirksamste Form des Vitamin D. Sonneneinstrahlung, gute Leber- und Nierenfunktion sind also wichtig für die Bildung von Vitamin D.

Wie kann Vitamin D gemessen werden?
Der Vitamin D-Spiegel kann aus dem Blut bestimmt werden bei der Blutabnahme. Der Vitamin-D-Spiegel ist in der Regel keine Kassenleistung, wenn keine Symptome bestehen.


Wie hoch ist die optimale Vitamin-D-Konzentration?
Die optimale Vitamin-D-Konzentration ist nicht genau bekannt. Eine Konzentration von mindestens 30 ng/ml ist notwendig, um negative Folgen eines zu niedrigen Vitamin-D-Spiegels, wie z.B. verminderte Knochendichte, Muskelschwäche mit erhöhtem Sturzrisiko oder erhöhtes Darmkrebs-Risiko zu verhindern. Vitamin D hat generell antientzündliche Wirkungen. Die optimalen Vitamin-D-Werte liegen vermutlich zwischen 36 und 40 ng/ml, eventuell sogar höher. Zu hohe Dosen führen zu einem Anstieg des Kalziumspiegels im Blut, was gefährlich sein kann. Wann das aber auftritt, d.h. ab welchen Dosen, ist unklar.

Wie verändert sich der Vitamin-D-Spiegel im Alter?
Im Alter nimmt die Menge der Vitamin-D-Produktion in der Haut ab. Dazu kommt noch, dass sich viele ältere Menschen nicht mehr so häufig an der frischen Luft (Sonne!) aufhalten. Daher besteht bei vielen älteren Menschen Vitamin-D-Mangel, der z.B. brüchige Knochen und Osteoporose begünstigen kann. Vitamin-D-Mangel schwächt auch die Muskulatur.

Wie kann ein Mangel an Vitamin D behandelt werden?
Vitamin D kann durch Nahrung vermehrt zugeführt werden. Nahrungsmittel, die reichlich Vitamin D enthalten, sind in erster Linie fette Fische (Lachs!) sowie Eier und Milchprodukte. Multivitamintabletten enthalten oft in wechselnder Dosierung auch Vitamin D in mehr oder weniger effektiven Dosen. Gezielter lässt sich hier mit hochdosierten Vitamin-D-Präparaten behandeln, die täglich bis 14-tägig eingenommen werden können. Sie sind vor allem bei Patienten mit bereits erniedrigter Knochendichte angezeigt. Aber auch bei Menschen mit erhöhtem Risiko für einen Vitamin-D-Mangel (z.B. Altenheimbewohner) können diese Nahrungsergänzungsmittel hilfreich sein, z.B. zur Vorbeugung von Stürzen.
Schlussfolgerung: Vitamin D wurde bisher eher unterbewertet. Eine regelmäßige Einnahme bzw. ein normal bis hoher Vitamin-D-Spiegel im Organismus kann vorbeugend wirken in der Behandlung von Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, Autoimmunerkrankungen und auch bösartigen Erkrankungen wie Darmkrebs.

Chronische Bronchitis

Die chronische Bronchitis ist eine Form der Bronchitis, die definiert ist als “Husten und Auswurf an den meisten Tagen während mindestens drei Monaten in zwei aufeinanderfolgenden Jahren”.
Meistens kommt es zu Husten und Auswurf im Herbst und Winter.. Fieber oder Atemnot treten nicht unbedingt auf, außer bei akuter Verschlechterung (sogenannte Exazerbation).

Welche Ursachen gibt es dafür?
An erster Stelle steht das inhalative Tabakrauchen (90 % der Erkrankten sind Raucher oder Ex-Raucher), aber auch Umweltfaktoren (Luftverschmutzung, feuchtes, neblig-kaltes Klima), Industrieabgase und berufliche Exposition (Stäube, Reizgase, extreme Hitze) werden mit der chronischen Bronchitis in Verbindung gebracht. Häufige Infektionen der Atemwege können ebenfalls die mukoziliäre Selbstreinigung der Atemwege schädigen. Auch eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) z. B. bei Allergikern kann eine chron. Bronchitis begünstigen.
Die chronische Bronchitis kann in eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) übergehen.


Raucherlunge, COPD
Die COPD ist weltweit die vierthäufigste Todesursache. Eine chronisch obstruktive Bronchitis (COPD) tritt meistens bei Rauchern oder Passivrauchern auf. Chronisch obstruktiv heißt, die Lungenwege sind verengt. Dieser Prozess verläuft sehr schleichend und häufig über Jahrzehnte. Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung ist gekennzeichnet durch Husten, Auswurf und Atemnot bei Belastung. Umgangssprachliche Bezeichnungen sind „Raucherlunge“ für die COPD und „Raucherhusten“ für das Hauptsymptom. Nicht alle Raucher bekommen eine COPD. Man vermutet, dass die Anlage dazu auch vererbt wird. „Mein Vater hat schon Probleme mit der Lunge gehabt, und ich jetzt auch.“


Wie entsteht eine „Raucherlunge“?
Durch den jahrelangen regelmäßigen Genus von Zigaretten kommt es zu einer chronischen Schädigung des Lungengewebes. Das Selbstreinigungssystem der Bronchien wird gestört.Vor allem nachts sammelt sich Schleim an, der das typische morgendliche Abhusten des Rauchers bedingt. Das morgendliche Abhusten wird oft zwar als störend, aber nicht allzu gefährlich empfunden. Aber auch Zigarren, Zigarillos und Pfeife können zu einer chronischen Bronchitis führen, da die im jeweiligen Tabak enthaltenen Schadstoffe entgegen des allgemeinen Glaubes n i c h t weniger schädlich sind als diejenigen im Zigarettenrauch. Das trifft auch für Shisha-Rauchen (Wasserpfeife) zu. Dabei ist zusätzlich die Gefahr erhöht, sich einen Herpes labialis (Lippenherpes) oder Schlimmeres (z.B. eine Lungenentzündung) zu holen durch die gemeinsame Inhalation an einem Mundstück. Im Laufe der Jahre werden die Lungenbläschen zerstört. Die Lungenbläschen sind u.a. dafür zuständig, dass der Sauerstoff aus der Atemluft ins Blut aufgenommen wird, um energiereiche Prozesse im Körper zu steuern und aufrechtzuerhalten.
Leider sind Frauen sehr gefährdet, da ihre Lunge empfindlicher auf Zigarettenrauch reagiert als die der Männer. Wenn ein Mädchen schon in jungen Jahren schon das Rauchen anfängt, kann sich die Lunge bis zum Erwachsenenalter nie voll ausbilden. Die körperliche Belastbarkeit bleibt zeitlebens eingeschränkt! Das ist ein irreversibler (nicht umkehrbarer) Prozess.
Eine COPD kann sich auch bei Passiv-Rauchern entwickeln. Ich habe Patienten, die nie geraucht haben, deren Partner(in) jedoch regelmäßig in der Wohnung geraucht hat, und die eine schwere COPD im Laufe der nächsten Jahrzehnte entwickelt haben.

Wie äußert sich eine COPD bzw.„Raucherlunge“?
Wenn der Sauerstoff fehlt, ist der Betroffene körperlich immer weniger belastbar. Es kommt zum Beispiel beim Bergaufgehen leichter zu Atemnot. Schon eine einfache Treppe kann dem langjährigen Raucher ungeahnte Schwierigkeiten und „Luftnot“ bereiten.
Bei langjähriger Raucherlunge/COPD kann es auch zu einem deutlichen Gewichtsverlust kommen, vor allem die Muskeln an Armen und Beinen werden sichtbar dünner. Es kommt dann häufig auch zu erheblichen Bronchitiden im Jahresverlauf, vor allem im Winterhalbjahr. Leider liegen bei Rauchern auch häufig noch andere Erkrankungen vor, wie Herz-oder Nierenkrankheiten oder schwere Arthrosen.

Was passiert, wenn nach langen Jahren das Rauchen beendet wird?
Falls bereits eine chronisch obstruktive Bronchitis (Raucherlunge) besteht, ist diese Lunge leider nicht mehr komplett zu retten. Die jahrelang inhalierten Giftstoffe können nicht mehr komplett entsorgt, das langjährige Rauchen kann nicht rückgängig gemacht werden. Auch Jahre nach dem Ende des Rauchens kann sich auch noch eine Raucherlunge entwickeln, die vorher nicht bestand! Der Prozess ist leider fortschreitend, trotz der Beendigung des Rauchens, beim einen mehr, beim anderen weniger. Das Ende der Bewegungsfreiheit kann in fortgeschrittenen Fällen bedeuten, dass die meiste Zeit des Tages mit einem Sauerstoffgerät beatmet werden muss, um noch einfache Bewegungen innerhalb der Wohnung zu ermöglichen. Ist das „der Duft der großen weiten Welt“??
Was folgt daraus? Es ist unbedingt wichtig., frühzeitig mit dem Rauchen wieder aufzuhören, nachdem man es einmal „probiert“ hat. Es ist sogar nicht so schlimm, vorübergehend Übergewicht nach dem Rauchstopp zu entwickeln, wie abzunehmen und weiterzurauchen.


Was sollte ein COPD-Patient bzw. ein Patient mit chronischer Bronchitis im Herbst beachten?
Für solche Patienten wird auf jeden Fall eine jährliche Grippeimpfung empfohlen, da eine erhöhte Gefährdung für schwere Atemwegsinfekte und Lungenentzündungen besteht. Weiterhin wird auch zumindest einmalig, je nach Verlauf auch alle sechs Jahre, zu einer Impfung gegen Pneumokokken )(Lungenentzündung) geraten.


Wie kann die COPD behandelt werden?
Nach einer eingehenden Diagnostik, zu der eine Lungenfunktionsprüfung gehört, kann -auch in Zusammenarbeit mit dem Lungenarzt – dem Betroffenen mit verschiedenen inhalierbaren Medikamenten/Dosiersprays das Leben erleichtert werden. Eine Heilung ist nicht mehr möglich, jedoch kann die körperliche Belastbarkeit so häufig verbessert werden.. All dies ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, solange der Betroffene das Rauchen nicht lassen kann.


Welche Hilfen gibt es, um das Rauchen aufzuhören?
Viele Krankenkassen und andere Organisationen bieten Raucherentwöhnungskurse an. Zusätzlich bietet der Deutsche Hausärzteverband jetzt ein online-Raucherentwöhnungsprogramm an. Dies kann bei www.hausmed.de angefordert werden. Das Raucherentwöhnungsprogramm erstreckt sich über eine Anfangsphase der Motivierung von 12 Wochen. Die erlernten Lebensumstellungen sollten auch weiterhin beibehalten werden. Das Raucherentwöhnungsprogramm kann mit und ohne Hausarztpraxis (dann selbständig online) durchgeführt werden. Eine tägliche Kontrolle mit der Programmleitung erfolgt dann über sms oder mails. Die Hausarztpraxis hilft, sofern eingeschaltet, mit mehreren Recalls per Telefon dem Betroffenen mit bei der kontinuierlichen Motivation. Wöchentlich bekommt der Betroffene eine andere Aufgabe und lernt so allmählich, seine Lebensgewohnheiten umzustellen. Dies gewährleistet ein nachhaltiges Umgewöhnen und –hoffentlich-auch Abgewöhnen des Glimmstengels. Die mit der Nikotinfreiheit gesparten Kosten können sinnvoll zum Beispiel in eine Belohnung (Urlaub, Kleidung oder sonstiges) investiert werden. Zum erfolgreichen Abschluss ist aber unbedingt ein eigener Wille erforderlich. Wer gern raucht, wo das Rauchen „zum Genuss“ dazugehört, der wird es schwierig haben zu reussieren. Das 12-wöchige Programm kostet derzeit 79 Euro.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.